Japanische Schilder und Fassaden im neuen Themenbereich Hikari vom Tivoli Kopenhagen

Kommentar: Endlich mal ein urbaner Asien-Themenbereich in einem europäischen Freizeitpark

Mit „Hikari“ präsentiert das Tivoli Kopenhagen jetzt den ersten urban gestalteten Asien-Themenbereich eines europäischen Freizeitparks. Womöglich bleibt es aber der einzige?! Ein Kommentar.

Wo war die Großstadt?

Achterbahn Daemonen und Pagode im Tivoli Kopenhagen, Asien wie man es in Freizeitparks kennt

Wenn uns europäische Freizeitparks nach Asien reisen lassen, landen wir erstaunlich oft an denselben Orten. Wir finden uns wieder in kunstvoll angelegten Gärten, inmitten exotischer Vegetation und umgeben von traditionellen Tempeln, Pagoden und Lampions. Manchmal geht es auch monumental in Richtung Himalaya.

Ich möchte nicht urteilen, dass das falsch sei. All diese Bereiche sind bildhübsch. Ein für mich ganz wesentlicher Reiz jenes Kontinents wird jedoch nie aufgegriffen: Ich denke da an die flimmernde Urbanität der Megametropolen, an das Streetfood und die Popkultur. Man denke nur mal an Chongqing, Seoul oder Tokio.

Bis dato war das auch im Tivoli Kopenhagen nicht anders. Auch dort war der asiatische Themenbereich seit jeher traditionell und von Idylle geprägt. Dann kam aber das größte themenbauliche Projekt in der fast 200-jährigen Geschichte des Parks und ein Teil jenes asiatischen Bereichs wurde zu „Hikari“. Somit bietet das Tivoli jetzt, was ich vermisst habe, und es ist äußerst gelungen. Ob es aber eine Blaupause ist, nach der sich etwaig andere Parks ebenso richten könnten, sei dahingestellt.  

Zweitausend Quadratmeter interpretierte Großstadtästhetik

Japanische Schilder und die Achterbahn Daemonen zwischendrin im neuen Themenbereich Hikari im Tivoli Kopenhagen

Inmitten des Layouts der seit 2004 bestehenden Achterbahn „Dæmonen“ hat das Tivoli eine ganz eigene Interpretation Japans geschaffen und inszeniert. Bis dato war die Gasse chinesisch inspiriert und überwiegend offen gestaltet. Jetzt ist es ein in sich geschlossener Straßenzug mit dichten Fassaden, Unmengen Details und mehr Angebot als je zuvor.

Mit dem bodenlos drehenden „Tyfonens Øje“ und dem mal etwas anderen Fun-House „Hotel Hikari“ sind zwei neue Attraktionen hinzugekommen. Außerdem wurden fünf neue Streetfood-Spots und zwei neue Geschäfte mit typisch japanischen Dekoartikeln und Convenience-Produkten eröffnet. Der bestehende Floorless-Coaster „Dæmonen“ wurde mit überarbeiteter Katzen-Szenografie eingebunden und außerdem ist ein originales Kunstwerk des japanischen Künstlers Takashi Murakami ausgestellt.

Mehr Informationen zu „Hikari“ an sich kannst du in meinem Newsbeitrag nachlesen:

Japan mit Tivoli-Handschrift

Filmplakate mit Augenzwinkern im neuen Themenbereich Hikari im Tivoli Kopenhagen

Was mir bei meinem Besuch in Summe aufgefallen ist: „Hikari“ ist zwar sehr kompakt, lädt aber mit dem Gesamtkonzept aus Attraktionen, Geschäften und dem vielfältigen, sehr leckeren Streetfood dazu ein, sich eine ganze Weile dort aufzuhalten. Der Bereich ist modern, farbenfroh und hell. Dank der abwechslungsreichen Gestaltung und der enormen Dichte an Deko und Details kann man super viel entdecken, wobei „Hikari“ trotz der Menge an visuellen Reizen keinesfalls überladen wirkt. Und obwohl die vielen Einzelelemente wie wild durcheinandergewürfelt scheinen, wirkt „Hikari“ als Ganzes erstaunlich konsistent.

Interessant ist auch die übergreifende Stilistik. Man hat, etwa mit original in Japan gefertigten Dachziegeln, stellenweise auf Details gesetzt, die echter nicht sein könnten. Ansonsten aber kommt „Hikari“ voll und ganz in der Handschrift des Tivolis daher. Der Park hat nicht etwa versucht, etwas originalgetreu nachzubauen, sondern sich der japanischen Urbanästhetik auf einer Metaebene genähert und sie frei interpretiert. Besonders cool sind in diesem Kontext all die Schilder, Reklamen und Plakate, die oft mit kreativen Tivoli-Bezügen daherkommen und gerne auch mit einem gewissen Augenzwinkern verbunden sind, beispielsweise auf dem Filmposter zu „The Fast And Curious – Tivoli Drift“.

Das richtige Thema für die richtige Umgebung

Wimmelbild vom Themenbereich Hikari im Tivoli Kopenhagen mit entgegenscheinender Sonne

Im Ergebnis ist „Hikari“ beeindruckend gut geworden. Somit dürfen wir in einem europäischen Freizeitpark endlich auch mal die urbane Seite Asiens erleben. Und mehr noch: Nachdem ich „Hikari“ erlebt habe, bin ich recht überzeugt, dass kaum ein anderer Freizeitpark so gute Voraussetzungen für so einen Bereich mitgebracht hätte.

Das erste Indiz ist der Platzmangel. Seit jeher bleibt an genau der Stelle im Park zwischen der Grundstücksgrenze und den Schienen der Achterbahn „Dæmonen“ nur ein enger und schmaler Strich. Für die Idee „Hikari“ war das ideal, weil die Atmosphäre eines dicht bebauten Straßenzugs wie von allein entstehen konnte, statt sie künstlich erschaffen zu müssen. Das merkt man dem Ergebnis auch an.

Das zweite Indiz ist, dass sich das Tivoli nie hart entscheiden musste, ob es – beides schön – die ruhig-traditionelle oder die pulsierende Seite Asiens aufgreift. Schon seit Jahrzehnten existiert der schöne asiatische Garten. Jetzt bildet „Hikari“ mit der quirligen Großstadtästhetik sogar einen bewussten Kontrast, sodass man als Besucher je nach Gusto beides erleben kann.

Das dritte Indiz ist, dass die Idee von „Hikari“ umso besser zum Publikum passt, das sich originär in dem Bereich aufhält. „Dæmonen“ zieht überwiegend junges Publikum an.  Streetfood, Bubble Tea, japanische Popkultur und die instagrammable Kulissen sprechen die Lebenswelt der jungen Leute, abgesehen von der Achterbahn selbst, unmittelbarer an als die vorherige Gestaltung.

Und nicht zuletzt trifft die Entscheidung für Japan in Dänemark auf einen besonderen Resonanzboden. Unter anderem hat sich Japan über die Jahre zum beliebtesten außereuropäischen Reiseziel der Dänen entwickelt (2025) und auch in Kopenhagen selbst haben japanische Gastronomie und Kultur einen festen und wichtigen Platz. Das Tivoli führt dies jetzt einfach im Freizeitpark fort.  

Urbanität ist stark, aber kein Selbstläufer

Eingang der Achterbahn Daemonen im neuen Themenbereich Hikari im Tivoli Kopenhagen mit überarbeiteter Katzen-Szenografie

Ich habe mich schon länger gefragt, wann sich ein europäischer Freizeitpark mal an die urbane Seite Asiens trauen würde. Denn dass darin unheimlich viel thematisches Potenzial steckt, versteht sich von selbst. „Hikari“ ist ein gelungenes und entdeckenswertes Beispiel dafür, wie gut sich dieses Potenzial nutzen lässt und wie erfrischend anders solch ein Bereich im Vergleich zum Bekannten aussehen kann.

Vielleicht bleibt „Hikari“ dennoch diese eine Ausnahme. Denn so gut das Ergebnis ist, muss man auch festhalten: Gegenüber dem idyllischen Garten und der traditionellen Pagode ist das urbane Thema tendenziell lauter, kleinteiliger und kulturell spezifischer. Für Freizeitparks ist es damit herausfordernder umzusetzen und für deren Gäste womöglich weniger unmittelbar greifbar.

Das will heißen: Während „Hikari“ im Tivoli die exakt richtige Idee für die richtige Umgebung war, bleibt offen, ob ein anderer Freizeitpark mit ähnlicher Ausrichtung ebenso glänzen könnte. Und vielleicht liegt darin auch die Erklärung, warum Asien in den europäischen Freizeitparks stets so aussieht, wie es aussieht. Wer jedenfalls den Kontrast erleben möchte, sollte ein Tour nach Kopenhagen einplanen.

Wie fandest du diesen Inhalt?

Ich freue mich, wenn du eine Bewertung dalässt. Einfach entsprechende Zahl an Sternen anklicken, wie du den Inhalt fandest. 1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne
Loading...
Eike der Achterbahnreporter im Hansapark mit Kamera

Moin, ich bin Eike, der Achterbahnreporter. Seit über 3 Jahren reise ich quer durch Deutschland und Europa, um die besten Freizeitparks und ihre Achterbahnen und Attraktionen zu entdecken. Ich entdecke und berichte – du liest und entdeckst.
(Die ganze Story →)