Anfang 2025 wurde der Leipziger Freizeitpark BELANTIS von der französischen Managementgruppe Compagnie des Alpes übernommen. Jetzt wird erstmals sichtbar, auf welchem qualitativen Level sich der Park unter der neuen Führung entwickelt. Ein Kommentar.
Inhalte im Überblick
Es gibt diese Nachrichten, die sich groß anhören und die hängenbleiben. Beispielsweise: 100 Millionen Euro Investitionsvolumen für BELANTIS. Transformation zum ersten Asterix-Freizeitpark außerhalb Frankreichs. Masterplan bis 2031. Das war, woran sich die Presse ausgetobt hat. Ich denke allerdings, und man möge mir widersprechen, dass eine andere Meldung von davor viel interessanter und wichtiger war. Nämlich dass BELANTIS ab sofort zur Compagnie des Alpes zählen würde.
Jene Nachricht aus dem Frühjahr 2025 blieb in den Medien weitestgehend unbeachtet. In der Community löste sie dagegen ein ungeheures Echo aus: „Das Beste, was BELANTIS hätte passieren können“, hieß es unter anderem. Und sieht man sich die diesjährige Neuheit des Parks an, „Idefix‘ Abenteuerland“, dann kann man jetzt auch festhalten: Die gewiss großen Worte haben Wahrheitsgehalt. Denn das „Abenteuerland“ macht erstmals sichtbar und deutlich, in welche qualitative Richtung sich der Freizeitpark entwickeln wird.
Kontrastprogramm im Kinderland

„Idefix‘ Abenteuerland“ ist die erste große Erweiterung, die BELANTIS im Rahmen des Masterplans und unter der Federführung der Compagnie des Alpes umgesetzt hat. Entstanden ist ein komplett neuer Kinder- und Familienbereich mit einer niedlichen Wasserbahn samt Mini-Schussfahrt, mehreren Fahrattraktionen, einem farbenfrohen Spielplatz, neuen gastronomischen Angeboten und einer Meet-and-Greet-Zone, in der die Kids ihre Comic-Helden treffen können.
Klar muss man ehrlich sein: Für einen jungen Erwachsenen wie mich ist dieser neue Bereich rein inhaltlich keine Sensation. Trotzdem löst er aber eine gewisse Faszination aus, weil er mit seinem sattfarbigen Erscheinungsbild, vielen schön gearbeiteten Details und einer konsistenten Handschrift im absoluten Kontrast zu dem steht, was BELANTIS drumherum ist und jemals war.
Über viele Jahre blieb der Park ohne eine wirkliche Identität hinter seinem eigentlichen Potenzial zurück. Es war ein Park, der bei den lokalen Gästen sicher noch seinen Reiz hatte, unter den beliebtesten Freizeitparks Deutschlands jedoch erst am unteren Ende auftauchte. „Idefix‘ Abenteuerland“ wirkt vor diesem Hintergrund und mit den neu angewendeten Standards wie ein ganz bewusst gesetztes Ausrufezeichen: „Von hier an machen wir Dinge anders!“
BELANTIS und die Compagnie des Alpes

Dass BELANTIS Dinge überhaupt anders machen kann, hängt in allererster Linie mit dem neuen Betreiber des Parks zusammen. Die Compagnie des Alpes ist eine Gruppe, die schon vielfach bewiesen hat, dass sie die Entwicklung von Freizeitparks beherrscht. Und hier kommen wir zu den Schlagzeilen zurück: Dass BELANTIS das millionenschwere Budget von der Compagnie bereitgestellt bekommt, ist super, aber nur eine Seite der Medaille. Entscheidender ist, wie dieses Budget vor dem Hintergrund der Firmengeschichte investiert wird.
Inwiefern?
Verständnis für besonders komplexe Standorte
Ursprünglich wurde die Compagnie 1989 gegründet, um verschiedene Skigebiete in den Alpen unter einem Dach zu bündeln, zu betreiben und vor allem langfristig strategisch zu entwickeln. Daraus ergaben sich besondere Herausforderungen. Einerseits fand man sich in einem äußerst wettbewerbsreichen Feld wider, andererseits war man gänzlich vom Winter und seiner Witterung abhängig.
Um sich im Wettbewerb durchsetzen und den Winter sicher profitabel nutzen zu können, musste die Compagnie ihre Standorte mit all den komplexen Zusammenhängen sehr genau verstehen. Daraus hat sich eine ganz eigene Art des Entwicklungsdenkens und der vielschichtigen Qualitätsausrichtung ergeben. Im Ergebnis zählen einige der Standorte heute zu den international renommiertesten Wintersportdestinationen.
Von den Gipfeln der Alpen in die Freizeitparkindustrie
Anfang der 2000er expandierte die Compagnie des Alpes dann in die Freizeitparkindustrie. Mit der Übernahme von Grévin & Cie kam in erster Linie der Parc Astérix ins Portfolio, heute das Aushängeschild. Später folgten unter anderem die drei Walibi-Freizeitparks in den Niederlanden, Belgien und Frankreich, der Familypark am Neusiedlersee in Österreich, der belgische Tier- und Freizeitpark Bellewaerde oder eben jüngst der Freizeitpark BELANTIS.
Die Besonderheit bei der Expansion bestand darin, dass man nicht einfach verschiedene Freizeitparks kaufte, um das Geschäft in den Sommer auszuweiten und das Abhängigkeitsrisiko vom Winter zu minimieren. Man verstand, dass auch jene Freizeitparks Standorte sind, die sich genau wie die Skiorte systematisch weiterentwickeln lassen. Und genau das tat man.
Heute betreibt die Gruppe ein paar der erfolgreichsten und empfehlenswertesten Freizeitparks des Kontinents und ist vor allem dafür bekannt, dass sie im Rahmen übergeordneter Entwicklungskonzepte immense Investitionsvolumina in ihre Parks steckt. So ist es jetzt auch bei BELANTIS.
Die ersten Puzzleteile passen zusammen

Letztendlich hat sich die Compagnie des Alpes für BELANTIS ein ambitioniertes Ziel gesetzt. Man will die Gästezahlen auf 900.000 Gäste pro Jahr verdreifachen. Mit Blick auf die Standortchancen kann das durchaus funktionieren, aber nur, wenn man den kompletten Park gänzlich anders als bisher denkt und überregional attraktiv macht. Würde man den Park schlicht weiterbetreiben und lediglich mit der ein oder anderen Neuheit ausstatten, wäre ein solches Wachstum nur schwer erreichbar. Die Compagnie hat das verstanden und vermutlich auch genau deshalb das riesige Asterix-Paket geschnürt.
Ob man die Ziele tatsächlich erreicht, bleibt natürlich noch abzuwarten. Alles jedoch, was BELANTIS bisher umgesetzt hat und unmittelbar plant, lässt vermuten, dass sich der Park in die absolut richtige Richtung entwickelt.
„Idefix‘ Abenteuerland“ ist als Aufschlag super geworden. Gleiches gilt für den zwischenzeitlich überarbeiteten Shop im Eingangsbereich mit seiner verspielten Asterix-Comic-Fassade. Und wenn man sich das Rendering zu der Multi-Launch-Familienachterbahn ansieht, die für das kommende Jahr mitsamt griechischem Themenbereich geplant ist, scheint sogar noch einmal eine Schippe oben draufgelegt zu werden. Alles in allem ist das ein bedeutender Qualitätsgewinn.
In diesem Sinne bleibe ich bei der eingangs formulierten These: Dass BELANTIS die 100 Millionen Euro erhält und weitreichend verändert wird, mag die größere Schlagzeile gewesen sein und dem Park sehr gut tun. Die wichtigere Nachricht war aber, wer sich dafür verantwortlich zeichnet. Und es ist schön zu sehen, dass die Compagnie des Alpes ihre anspruchsvolle Entwicklungsdenke auch nach Leipzig mitgebracht hat.

