Frontalansicht eines Zuges der neuen Achterbahn Voltron im Europa-Park in der bodennahen Kurve

Review: Europa-Park eröffnet mit Voltron Nevera die vielleicht krasseste Achterbahn Deutschlands

Das elektrische Zeitalter beginnt: Mit „Voltron Nevera“ hat der Europa-Park, der größte Freizeitpark Deutschlands, am 26.04.2024 seine nunmehr vierzehnte Achterbahn eröffnet. Und es ist eine Bahn, die ich so in dieser Form dort nie erwartet hätte. Ein Review mit viel Wissenswertem zur neuen vielleicht krassesten Achterbahn Deutschlands.

Logo über dem Eingang der neuen Achterbahn Voltron im Europapark

Wissenswertes über „Voltron“

  • Bis zu 100 km/h schnell
  • 3 Launch-Strecken, 4 Launches
  • Bis zu 32,5 m hoch
  • 105° an steilster Stelle
  • 1.385 m lang
  • 7 Inversionen
  • Eröffnet am 26.04.2024
  • Bis zu 1.600 Pers. / Std. Durchsatz
  • Hergestellt von MACK Rides
  • LSM Multi-Launch-Coaster („Stryker“)
  • Normale Queue + Single-Rider-Eingang + Virtual-Line-Eingang
  • Keine freie Wahl der Sitzreihe, auch nicht First Row – stets Einteilung durch Personal
  • Besser innenliegenden Sitz wählen – sonst tendenziell shaky
  • Für Kinder ab 8 Jahren und mindestens 130 cm Körpergröße geeignet

Am 24.03.2016 wurde im niederländischen Walibi Holland die Achterbahn „Lost Gravity“ eröffnet – und damit der Prototyp des „Big Dipper“-Modells von MACK Rides.

Die Idee hinter diesem Achterbahntyp war und ist vor allem, Layouts mit sehr engen Kurvenradien und zahlreichen, teils wilden Elementen selbst auf begrenztem Raum zu realisieren. Nach „Lost Gravity“ erhielt auch der Freizeitpark Plohn im sächsischen Lengenfeld mit „Dynamite“ eine solche Achterbahn.

„Voltron“ im Europa-Park ist nach den beiden Achterbahnen die Weiterentwicklung des „Big Dippers“ unter der Bezeichnung „Stryker-Coaster“. Charakteristisch für die neue Variante sind vor allem die Züge mit nunmehr vier statt zwei Sitzreihen sowie automatisch schließenden Bügeln und dass die Option zu (mehrfachen) LSM-Katapultstarts gegeben ist. Darüber hinaus hat es noch mehr Weiterentwicklungen gegeben, die man als Fahrgast nicht immer konkret sieht, aber durchaus fühlt – etwa bei der beeindruckend schnellen Abfertigung, im Ruck-Zuck-Verlauf der Fahrt oder beim Reset nach Störungen oder Verzögerungen.

„Bei dem ‚Voltron Nevera‘-Coaster war es nie unsere Zielsetzung, Superlative aufzustellen oder Rekorde zu brechen. […] Sie ist aber eine der modernsten Bahnen, die wir je gebaut haben.“

Lukas Metzger, Parkleiter Europa-Park, gegenüber BZ

Die Pläne, dass der Europa-Park nach „Blue Fire“ (2009) und „Wodan“ (2012) den Bau einer nächsten Großachterbahn vorhatte, kamen bereits im Jahr 2017 ans Licht. Die ersten Baumaßnahmen starteten aber erst Ende 2021. Ab Mitte 2022 wurde der Baufortschritt unter dem Label „Projekt Ohm“ von einer informativ-humorigen Baudokumentation auf der hauseigenen Streaming-Plattform „Veejoy“ begleitet. (Die Folgen sind auch heute noch verfügbar – sehr sehenswert.) Und am 26.04.2024 wurde „Voltron Nevera“ nach rund zweijähriger Bauzeit sowie etwas Verzögerung durch Lieferengpässe dann feierlich eröffnet.

Obwohl man laut Parkleiter Lukas Metzger nie vorhatte, Superlative aufzustellen oder Rekorde zu brechen, spielt „Voltron Nevera“ am Ende doch in verschiedenen welt-, europa- und deutschlandweiten Rekordrankings ganz oder recht weit vorne mit. Eine Übersicht:

  1. Steilster Launch der Welt (105°)
  2. Längster Launch-Coaster Europas (4 Meter länger als „Helix“ im schwedischen Freizeitpark Liseberg)
  3. Launch-Coaster mit den meisten Inversionen Europas (zusammen mit „Helix“)
  4. Achterbahn mit den meisten Beschleunigungsabschnitten Europas (zusammen mit „Toutatis“ im Parc Astérix bei Paris)
  5. Achterbahn mit den drittmeisten Beschleunigungen Europas (nach „Toutatis“ mit genau genommen sieben Beschleunigungen und „Firlefranz“ im Bayern-Park sowie „Fridolins verrücktem Zauberexpress“ im Fantasiana Erlebnispark Straßwalchen mit jeweils fünf Beschleunigungen)
  6. Generell zweitlängste Achterbahn Deutschlands (nach „Silver Star“ und vor „Colossos“ und „Taron“)
  7. Generell viertmeiste Inversionen Europas auf einer Achterbahn
  8. Generell sechstlängste Achterbahn Europas

Übrigens: „Voltron“ zählt auch zu den schnellsten Achterbahnen Deutschlands. Ursprünglich war die Bahn mit 90 km/h an der Spitze angegeben. Die Geschwindigkeit wurde nachträglich aber auf 100 km/h erhöht. Das reicht – zusammen mit anderen Bahnen – für Platz 8.

Bei der Entstehung der Achterbahn kamen schon relativ früh konkrete Spekulationen auf, dass der Europa-Park einen kroatischen Themenbereich bauen würde. Und genau das ist letztlich auch passiert, inspiriert vom Flair der Städte, Dörfer und Landschaften an der kroatischen Adriaküste.  

Panorama-Blick über eine kroatische Stadt hinaus aufs idyllische Meer auf der Insel Hvar
Foto von Aleksandra Krasinska auf Unsplash

Obendrauf hat sich der Europa-Park für „Voltron“ eine Story rund um Erfindergeist und Elektrizität ausgedacht. Die Storyline der Achterbahn ist frei an den einflussreichen Forscher und Erfinder Nikola Tesla angelehnt, der im Jahr 1856 auf dem Gebiet des heutigen Kroatiens geboren wurde. Tesla forschte seiner Zeit insbesondere in der elektrischen Energietechnik und ebnete den Weg zu vielen Folgeerfindungen und -entwicklungen der Neuzeit.

Um das Jahr 1900 entwarf Tesla den sogenannten Wardenclyffe-Tower, einen Funkturm, der zur kabellos-transatlantischen Übertragung von Funksignalen gedacht war. Mangels Finanzierung wurde der Turm aber nie fertiggestellt und die Bauruine wurde schon wenige Jahre später wieder abgerissen.

Nikola Tesla als Animatronic im Wartebereich von Voltron

Der Europa-Park hat sich nun das Motiv des Turms und der Vision dahinter vorgenommen und weitergesponnen. Nikola Tesla lebt (als Animatronic) wieder auf und forscht nunmehr daran, Menschen in kosmische Energie zu verwandeln und zwischen zwei Orten hin und her zu teleportieren – nämlich zwischen dem einen Wardenclyffe-Tower auf dem Dach des Stationsgebäudes und dem anderen Tower am Wendepunkt der Achterbahn.

Gemäß der Story hat sich Tesla für seine Forschungen in einem alten Wasserkraftwerk niedergelassen, das hier als riesig anmutende und fulminant thematisierte Halle gestaltet ist. Das Highlight dürften dabei die vier Tesla-Spulen an der Decke sein, die in regelmäßigen Abständen unter entsprechenden Spannungsfrequenzen die Melodie des „Voltron“-Soundtracks spielen. (Und ja, das sind tatsächlich echte Blitze, die dann über den Köpfen der Wartenden umherzucken.)

Apropos Blitze: Vor allem im August und September kann es an der kroatischen Adriaküste von Westen her zu schlagartig einsetzenden und teils äußerst schweren thermischen Gewitterstürmen kommen. Und wenn du jetzt fragst: „Eh, warum erzählt der mir das?“ » So erklärt sich der Beiname der Achterbahn. Denn im Kroatischen werden diese Stürme als „Nevera“ bezeichnet.

Musterbild eines Gewittersturms
Foto von Breno Machado auf Unsplash

Ein Nevera dauert meist nur wenige Minuten, doch das kann wegen der tosenden, auch mal orkanartigen Böen schon ausreichen, um immense Schäden und Zerstörungen anzurichten. Vor allem unter Nautikern, die draußen auf See sind, sind die Stürme gefürchtet – auch, weil sie sich lokal so gut wie gar nicht vorhersagen lassen. (Wer weiß, was uns vielleicht in den nächsten Bauabschnitten von „Kroatien“ erwarten wird. Da könnte ja ein MACK Rides „Rocking-Boat“ passen.)

Im Sinne der gewaltigen Energieentladungen, die bei den Stürmen stattfinden, ist der Name „Voltron Nevera“ ein perfektes Match. Allerdings sind wir noch immer nicht beim vollen Namen – und davon ab hängt die Namensgebung „Nevera“ maßgeblich auch mit dem Sponsor der Achterbahn zusammen, der am 10. August 2023 auf der kroatischen Insel Hvar feierlich bekanntgegeben wurde.

Keine Europa-Park-Großattraktion ohne Sponsor: Nach unter anderem Mercedes Benz, Eurowings oder Mustang-Jeans reiht sich nun auch Rimac Automobili in die Reihe der Sponsoren und Partner ein. So auch der volle Name der Achterbahn: „Voltron Nevera powered by Rimac”.

Rimac Automobili ist ein kroatischer Autoproduzent, der von Mate Rimac geführt wird – und damit einem der heute bedeutsamsten Erfinder und Unternehmer Kroatiens.

Mate Rimac wurde 1988 geboren und gewann – von Nikola Tesla inspiriert – schon als Teenager lokale bis internationale Wettbewerbe in Elektronik und Innovation. Schon früh entdeckte er auch eine Leidenschaft für den Motorsport. Und als er dann mit einem alten 1984er BMW an einem Rennen teilnahm und sich der Benzinmotor verabschiedete, rüstete er den BMW kurzerhand zu einem Elektroauto um. Die anderen Rennteilnehmer belächelten ihn dafür, dass Rimac eine „Waschmaschine“ auf die Rennstrecke bringen würde, doch diese „Waschmaschine“ stellte letztlich mehrere Rekorde auf.

Am Ende mündeten diese Ereignisse in Rimac Automobili und im Rimac Nevera, dem schnellsten Elektro-Hypercar der Welt. Das Auto hat einen Listenpreis von gut 2 Millionen Euro, bringt eine Leistung von über 1.900 PS auf, schafft es auf bis zu 412 Stundenkilometer und hat zahlreiche Beschleunigungs- und Bremsrekorde aufgestellt. Für einen Sprint aus dem Stillstand auf 400 Kilometer pro Stunde und zurück auf 0 brauchte es beispielsweise nur 29,93 Sekunden. Für eine Beschleunigung von 0 auf 100 reichen 1,81 Sekunden.

Man kann von den Sponsorings im Europa-Park halten, was man möchte, aber in diesem Fall ist die Kooperation durch den Kontext des „elektrischen Zeitalters“, der Beschleunigung, der sozusagen Verbindung zwischen Nikola Tesla und Mate Rimac sowie des Landes Kroatien meiner Meinung nach sehr passend und auch cool. Sicher kann ich mich auch besonders damit identifizieren, weil ich beeindruckend finde, was Mate Rimac von Kindesalter an auf die Beine gestellt hat.

„Bei der Kooperation findet eine junge Generation zusammen, die außerhalb der Grenzen denkt. Uns verbindet der Unternehmergeist, die Leidenschaft zur Beschleunigung und die besondere Beziehung zu Kroatien.“

Michael Mack, geschäftsführender Gesellschafter Europa-Park

„In weniger als 15 Jahren haben wir es geschafft, ein Automobilunternehmen mit mehr als 2.100 Mitarbeitern aufzubauen und unglaubliche Projekte zu verwirklichen. Für mich ist es eine Ehre, dass Deutschlands größer Freizeitpark nicht nur unsere Innovationen, sondern auch die reiche Geschichte und Kultur Kroatiens präsentiert.“

Mate Rimac, Geschäftsführer Rimac Automobili
Zug der Achterbahn Voltron im Europapark während eines Überschlags

„Voltron Nevera“ im ausführlichen Review

Dobrodošli in Kroatien

Sommerfeeling pur auf der höhergelegenen Terrasse des Eiscafés „Sunce i Lavanda“: Direkt am Geländer in der Sonne sitzend und ein Eis schleckend lasse ich meinen Blick über den Marktplatz einer authentisch nachempfundenen, antik-kroatischen Küstenstadt schweifen. Die Küste an sich ist zwar nicht zu sehen und es herrscht ziemliches Gewusel, aber doch erschaffen die hellen, Renaissance-verzierten Kalksteinfassaden und -Mauern, die friedlichen Tamburica-Harmonien und die hübsche, südländische Vegetation einen schönen Eindruck von mediterranem Flair.

Zoom auf Eisdiele Sunce i Lavanda im Europapark-Themenbereich Kroatien

Das Besondere daran ist, dass ich natürlich nicht wirklich an der Adria bin – so attraktiv der Gedanke auch ist –, sondern im Europa-Park. Genauer befinde ich mich im ersten Abschnitt des neuen Themenbereichs „Kroatien“. Und nur Sekunden später wird die sommerliche Atmosphäre einmal mehr von einer Mischung aus erschrockenem Kreischen und genussvollem Johlen durchdrungen.

Es ist das Kreisch-Johlen derer, die auf „Voltron Nevera“ senkrechter als senkrecht in den Himmel katapultiert werden, um sich danach kopfüber in das wilde Layout der vielleicht krassesten und verrücktesten Achterbahn Deutschlands zu stürzen.

Überblick über den sommerlichen Platz des Themenbereichs Kroatien im Europapark mit Achterbahn Voltron

Beyond Vertical mit Symbolkraft – Europa-Park bricht mit bisherigen Standards

Ich übertreibe nicht. Mit „Voltron Nevera“ geht der Europa-Park steil. Also richtig steil – und das meine ich über den wortwörtlichen Sinn hinaus.

Klar: Dieses erste aufsehenerregende Element, der mit 105 Grad mehr als senkrechte Beyond-Vertical-Launch mit anschließendem Inverted-Top-Hat, bricht den Weltrekord für die steilste Beschleunigungsstrecke auf einer Achterbahn. Doch da ist noch mehr. Denn gleichwohl könnte das Element als Symbol dafür stehen, dass „Voltron“ anders als andere Achterbahnen ist – gerade im Kontext des Europa-Parks.

Zug von Achterbahn Voltron Nevera überkopf im Beyond-Vertical-Launch mit Wardenclyffe-Tower daneben

Man darf auch weiterhin daran erinnern, dass noch bis 2005 der Bau einer Achterbahn mit Überkopf-Elementen im Europa-Park kategorisch ausgeschlossen wurde. Man war der Meinung, dass solch eine Bahn für das Publikum des Parks zu doll und einschüchternd sei. Überhaupt hat man Achterbahnen grundsätzlich eher moderat als intensiv konstruiert, hat sie praktisch glattgebügelt, sodass sie stets eine breite Masse an Gästen ansprechen würden.

Bei „Wodan“ hat der Europa-Park die Intensitätsschraube schließlich doch mal merklich fester angezogen. Die Holzachterbahn bietet ein tolles Out-of-Control-Feeling, während der Zug scheppernd und nice über die Strecke jagt. Und jetzt mit „Voltron“ steht da eine Achterbahn im Park, die nochmals eine riesige Schippe auf das drauflegt, was „Wodan“ initiiert hat.

‚Beyond Vertical‘ scheint wie dieser „Schritt über die scheinbare Grenze hinaus“ zu sein. Der Europa-Park hat erstmals ganz offensichtlich mit den bisherigen Standards gebrochen und hat mit MACK Rides eine recht anspruchsvolle Achterbahn entwickelt, die im einen oder anderen Moment auch mal durchaus mit den Extremen spielt.

Zug von Voltron Nevera ist bereit zum Abschuss auf der Effektschiene im Europa-Park

„Voltron“ ist faszinierend, ist rekordbrechend, ist außergewöhnlich intensiv

Obwohl ich vorab jedes Onride-Video angesehen hatte und 100 % gespoilt war, hatte ich bis zum Moment der ersten Fahrt keine Ahnung, was mich da wirklich erwarten würde. Und dann brach der Nevera los – mit über 2 Minuten stürmischer Action.

Auf der Effektschiene „in kosmische Energie verwandelt“ zu werden: Eine kreative und echt coole Inszenierung mit eindrucksvoller, gar epischer Visualisierung.

Danach mehr als senkrecht in die Höhe beschleunigt und oben langsam rollend auf den Kopf gestellt zu werden: Überaus ungewöhnlich und sehr spaßig.

Wiederum deutlich intensiver runter, mitten durch die Tower-Struktur und in einer zusätzlichen Seitwärtsrolle gen Boden zu donnern: Super wild.

Per Boost-Launch hoch in den Inverted-Stall geschossen zu werden und 2,2 Sekunden fast-schwerelos überkopf zu hängen: Ganz klar mein Lieblingsmoment auf „Voltron“ und direkt in den Top 10 meiner Lieblings-Inversionen.

Und auch die Airtime-Hügel, der knackig durchziehende Launch über den Drehteller und der anschließende Top-Hat mit der elegant-langgezogenen Abfahrtskurve machen ordentlich Bock.

Ein Zug der Achterbahn Voltron Nevera im Europa-Park fährt spektakulär in den Inverted-Stall

Bei so viel Schwärmerei könnte man ja jetzt vermuten, dass „Voltron Nevera“ meine neue Nummer 1 ist. Oder? Naja, drücken wir es in einem Beziehungsstatus aus: Es ist kompliziert.

Ein Zug von Voltron Nevera fährt im Halb-Looping aus dem Beyond-Vertical-Launch raus

Wahrlich elektrisierend: Eine Achterbahn mit vielen Stärken

Vor allem in den beschriebenen Momenten kann „Voltron“ meiner Meinung nach waschecht überzeugen.

Auch die Thematisierung, da wo sie vorhanden ist, ist gut gelungen. Ich denke da vor allem an die Halle mit den musizierenden Teslaspulen und den großen, sich mysteriös schließenden Lamellen, wenn es auf der Effektschiene rund geht, während das Blitzgewitter aber noch durchhascht.

Die Züge sind echte Brecher, sehen mit ihren braun-ledernen „Chesterfield-Sitzen“ aber äußerst elegant aus. Die Sitze an sich sind wie von MACK gewohnt bequem und komfortabel.

Und selbst die Kooperation mit Rimac finde ich wie beschrieben cool, obwohl ich von diesen Werbepartnerschaften normalerweise nicht viel halte.

Außerdem liefert „Voltron“ auch in einem weiteren Punkt wahnsinnig gut ab – nämlich bei der Abfertigung. Dass da wirklich bis zu 7 Züge parallel unterwegs sind und die Anlage strikt alle 37 Sekunden einen Zug losschickt, ohne dass das Personal im fieberhaften Dauerstress durch den Bahnhof wirbelt, ist beeindruckend.

Zwar ist das zugrundeliegende Konzept des permanent laufenden Förderbands nicht neu – man schaue auf „ARTHUR“ –, aber es entfaltet sich bei „Voltron“ noch einmal anders und besser. Vielleicht auch, weil man offensichtlicher wahrnimmt, wie oft da ein Zug aus dem Stationsdach schießt und dass die Anlage trotzdem reibungslos läuft. Unterm Strich haben sich MACK Rides und der Europa-Park da eine überaus effektive Lösung ausgedacht, vor der man nur den Hut ziehen kann.

Doch jetzt geht’s mit tüchtig Airtime in die Eisen.

Ein Zug von der Achterbahn Voltron Nevera kommt auf der Bremsstrecke zum Stehen

Ein Sturm zieht auf: Der Gegenpol zu den Stärken

„Voltron“ hat neben vielen Stärken auch ein-zwei erhebliche Schwächen.

So mag ich zwar den Vorstoß des Europa-Parks mit der stark ausgeprägten Intensität, aber stellenweise fährt sich „Voltron“ für mein Empfinden dann doch ein bisschen ZU aggressiv und ZU anspruchsvoll – vor allem in der zweiten Layout-Hälfte ab dem „Ejection-Drifter“. Gefühlt geht es ab es dort nur noch darum, rausgerissen, reingedrückt und umhergeworfen zu werden.

Ebenso ist es mir manchmal zu viel an „Elementen“ und zu wenig an einfach nur „Achterbahn“. Es fühlt sich ein bisschen so an, als wenn man aus jedem einzelnen Streckenmeter und selbst aus den Einfahrten in die Bremsen zwanghaft „irgendwas Höheres“ machen wollte.

Sehr viel ausschlaggebender sind aber die Fahreigenschaften: Bisher tendiert „Voltron“ leider je nach Zug, Reihe und Sitzplatz dazu, sehr, sehr schüttelig und unruhig zu fahren. In Kombination mit der Intensität des Coasters kann das vor allem auf den Außensitzen auch mal echt unangenehm werden und – so wie bei meiner ersten Fahrt hinten-rechts – mit einem Knockout und einer Tüte Aspirin enden.

Das ist natürlich ein Extrembeispiel und fairerweise will ich betonen, dass es mir nach allen weiteren Fahrten gut ging. Trotzdem bin ich nicht der Erste, der so einen Knockout erlebt hat. Und davon ab sollte sich eine brandneue Achterbahn ohnehin nicht so rau fahren. (Wie soll das erst in ein paar Jahren sein?)

Momentan werden hinsichtlich des Fahrverhaltens noch Anpassungen und Feinjustierungen vorgenommen. Letztendlich hoffe ich, dass man diese Sache in den Griff bekommt. Denn es ist ja so: Du kannst die geilste Achterbahn bauen, aber wenn sie sich nicht gut fährt oder es eine Sache der Zugnummer, Sitzreihe und Tagesverfassung ist, ob es geil wird oder nicht – Stichwort „kroatisch Roulette“ –, dann ist das leider ein ernsthaftes Manko und kann ein gutes Ranking verhageln.

Wer bei „Voltron“ sichergehen möchte, nimmt am besten einen der jeweils innenliegenden Sitze – da geht’s meiner Erfahrung nach tatsächlich klar. Und ansonsten warten wir mal ab.

Wo steht „Voltron“ im Deutschland- und Europavergleich?

Den Mut muss man bewundern: Ich kann es nur immer wiederholen, dass ich eine Achterbahn wie „Voltron Nevera“ im Europa-Park NIEMALS erwartet hätte. Tatsächlich fühlt es sich auch ein bisschen surreal an, so eine Achterbahn dort nun erleben zu können. Wie macht sie sich also?

Frontalansicht eines Zuges der neuen Achterbahn Voltron im Europa-Park in der bodennahen Kurve

Zweifelsohne dürfte es sich bei „Voltron Nevera“ um die aktuell krasseste und auch anspruchsvollste Achterbahn in Deutschland handeln – in Sachen Intensität mit nur minimalem Vorsprung zum „Schwur des Kärnan“ im Hansa-Park, von der Folge an Elementen her alleinstehend. Und selbst europaweit spielt „Voltron“ dahingehend weit vorne mit – neben „The Ride to Happiness“ im Plopsaland de Panne, „Untamed“ im Walibi Holland und – wenn auch schwierig vergleichbar – „Insane“ im Tivoli Gröna Lund, Stockholm.

All diese Vergleichsbahnen haben gemeinsam, dass sie auf ihre jeweils eigene Art und Weise einfach verrückt sind und mit genau dieser Verrücktheit auch im Gedächtnis bleiben. Die teils heftigen Belastungen auf den Körper kommen dann erst noch dazu. Und hier gehört „Voltron“ ganz klar zur Familie.

Doch ist eine der krassesten Achterbahnen auch eine der besten?

Die Meinungen zu „Voltron“ gehen stark auseinander. Viele sehen die Achterbahn unangefochten an der Spitze, andere zeigen sich deutlich zurückhaltender. Auch mir persönlich fällt es schwer, „Voltron“ zu bewerten. Denn theoretisch haben wir hier locker einen Top-4-Coaster bezogen auf Deutschland und einen Top-10-Coaster bezogen auf Europa. Aber: Am Ende führen die angesprochenen Kritikpunkte und insbesondere das Fahrverhalten dazu, dass der erste Stryker-Coaster am fulminanten Strike vorbeibowlt.

So sehe ich „Voltron“ unter den gegebenen Umständen eher auf den Plätzen 14 bis 17 in Europa und eher auf den Plätzen 6 bis 9 in Deutschland. Auch im Europa-Park selbst sind „Wodan“ und der „Silver Star“ für mich weiterhin vorne. Vielleicht sogar auch noch der „CanCanCoaster“, der zwar null intensiv aber einfach SCHÖN ist.

Für eine Neuheit von diesem Kaliber mag das Ergebnis vielleicht etwas ernüchternd sein, aber auch ohne die Spitzenposition und ganz unabhängig von der genauen Platzierung ist eine Sache letztendlich doch Fakt: „Voltron“ ist trotz allem definitiv eine empfehlenswerte Achterbahn, die du mal erlebt haben solltest, und eine besondere Erfahrung. In diesem Sinne: Los geht’s in den Europa-Park.

Tickets und weitere Informationen für deinen Besuch in Rust findest du auf der Homepage des Europa-Parks. Und falls du noch zögerst: Neben „Voltron“ hat dort dieses Jahr auch der österreichische Themenbereich wiedereröffnet. Der „Alpenexpress Enzian“ und die „Tiroler Wildwasserbahn“ teilen sich eine völlig neue Kulisse mit verschlungen-abenteuerlichen Gebirgswegen – ebenfalls entdeckenswert.

Eike der Achterbahnreporter im Hansapark mit Kamera

Moin, ich bin Eike, der Achterbahnreporter. Seit über 3 Jahren reise ich quer durch Deutschland und Europa, um die besten Freizeitparks und ihre Achterbahnen und Attraktionen zu entdecken. Hier auf meiner Seite erzähle ich von ihnen, empfehle dir lohnenswerte Ziele und gebe dir hilfreiche Tipps für deine Reise. (Die ganze Story →)