Ausschnitt aus dem Plakat des Konzerts Coasters in Concert in Hannover im Juni 2026
Quelle: Sinfonieorchester Hannover

Review: Coasters in Concert schuf einen außergewöhnlichen musikalischen Abend mit Freizeitpark-Soundtracks

Ein Konzertreview auf einem Achterbahnblog? …Ich hätte nicht gedacht, dass es dazu mal kommt. Gleiches gilt aber auch für das außergewöhnliche Event, das am Sonntag den 14. Juni 2026 in Hannover stattfand. „Coasters in Concert“ nämlich – die epischen Soundtracks fünf deutscher Freizeitparks live gespielt vom großen Sinfonieorchester Hannover zusammen mit dem Chor der Leibnitz Universität. Es war grandios.

Flyer-Programm vom Coasters in Concert Konzert in Hannover mit illustrativen Zeichnungen einer Freizeitparkattraktion

Im Konzertsaal wie in der Achterbahn

“Ein Bündnis geschmiedet, aufs Leben geschworen.
Ein Bann, der uns bindet, für immer verloren.”

Immer wieder von vorn skandiert der Chor diese zwei Verse. Zuerst eher bedrohlich zischend, dann immer bestimmter und lauter, bis die Sängerinnen und Sänger den letzten Durchlauf beinahe brüllen. Sie sprechen Silbe für Silbe, begleitet von einzelnen Trommelschlägen und stakkatoartig raunenden Kontrabässen und Streichern, die einen tonal absteigenden Dreivierteltakt vorgeben. Sowohl die Instrumentalisten als auch der Chor betonen jeweils den ersten Taktschlag und erschaffen so die Atmosphäre eines düster stampfenden und sich intensivierenden Walzers.

Es ist etwa 19:10 Uhr an einem wahrlich einmaligen und besonderen Abend im NDR Konzerthaus Hannover, der unter dem Titel „Coasters in Concert“ schon seit Monaten ausverkauft war. Denn dass ein Sinfonieorchester mitsamt Chor die Soundtracks der Achterbahnen und Attraktionen der größten deutschen Freizeitparks spielt, kam bis zu diesem Abend nie vor. Gerade lassen die Musikerinnen und Musiker das Publikum in die akustische Kulisse vom „Schwur des Kärnan“ eintauchen – der erste Freizeitparksoundtrack, der tatsächlich in der Art einer Sinfonie komponiert und ursprünglich vom Budapester Filmorchester eingespielt wurde.

Das Publikum im Saal kennt diese dunkle und epische Passage, ist wie in den Bann gezogen (🙂). Manche versinken mit genießerisch geschlossenen Augen in den Zeilen und Tönen. Manche flüstern textsicher still mit. Andere schauen sich gegenseitig an und streichen dabei ergriffen von Gänsehaut über den Arm.

Reaktionen wie diese hat es auch in den zwei Stunden vorher schon zahlreich gegeben. Der etwa 1.200 Personen fassende Saal ist hauptsächlich gesäumt von Freizeitparkfans, die bei diesem Konzert erstmals jene Musik live erleben, die sonst in ihren Lieblingsparks vom Band kommt, sei es in den Themenbereichen, in den Warteschlangen oder auch während der Achterbahnfahrten. Für die Fans ist es Musik, die wohl so viele Emotionen zu transportieren und Bilder zu wecken vermag wie kaum eine andere. Man reist gedanklich mit, sieht sich an genau den lebensfrohen Orten, an denen die Stücke normalerweise zu hören sind, taucht ein.

Blick auf die Bühne mit dem Orchester und Chor beim Coasters in Concert Konzert Hannover 2026

Von der Vision auf die Bühne des Konzerthauses

Möglich gemacht hat diesen Abend in erster Linie Tobias Rokahr, Leiter und Dirigent des Sinfonieorchesters Hannover. Schon ein Jahr vorher fing er an, so erzählte er während des Programms, das Konzert vorzubereiten. Eins der Crossover-Projekte, die das Orchester alle paar Jahre macht, um „mal etwas anderes als Klassik zu spielen“. Er nahm Kontakt zu den beiden Komponisten Andreas und Sebastian Kübler, ehemals IMAscore, auf und gemeinsam leistete man die nötige Überzeugungsarbeit bei den Verantwortlichen in den Freizeitparks.

Das bereits war „ein dickes Brett zu bohren“, doch die Hauptherausforderung lag noch einmal woanders: Für kaum eins der Stücke gab es Noten, geschweige denn orchestrale Partituren – schließlich wurden die meisten Soundtracks digital komponiert. Also setzte sich Tobias Rokahr mehr als ein halbes Jahr hin und verfasste die Partituren eigenhändig nach Gehör, so wie sie nachher von den verschiedenen Akteuren seines Orchesters gespielt und zum Leben erweckt würden. Vier Wochen vor dem Konzert starteten die Proben.

Auch der Chor der Leibnitz Universität Hannover unter der Leitung von Mauritius Weiß wurde erst zu diesem Zeitpunkt involviert. Für die Sängerinnen und Sänger ergab sich vor allem die Herausforderung, sich ausreichend in die Stücke einzufühlen. Denn dass sie so wie beim „Schwur des Kärnan“ Lyrics sprechen oder singen, kommt in der Natur der Freizeitparksoundtracks selten vor. Meistens besteht ihr Einsatz lediglich aus langen U-, O- und A-Lauten.

Innenseite des Programms zeigt einen Lageplan mit Wegverlauf von Soundtrack zu Soundtrack

Gänsehautmomente und Detailstaunen

Unterm Strich war das, was Tobias Rokahr, das Sinfonieorchester Hannover und der Chor der Leibnitz Universität auf die Beine gestellt haben, an Besonderheit kaum zu übertreffen. Ob „Nessie“ aus dem Hansa-Park, „Colossos“ aus dem Heide-Park, die „Studio Tour“ aus dem Movie-Park, „Blue Fire“ aus dem Europa-Park oder auch „F.L.Y.“ aus dem Phantasialand: Die Stücke sorgten in jeder Facon für Gänsehaut pur. Auch bei den Kübler-Brüdern, die zwischendrin auf die Bühne eingeladen wurden und selbst ein Stück weit ergriffen waren von ihren eigenen Werken.

Doch nicht nur die ergreifend-emotionalen Momente zeichneten den Abend aus. Mindestens genauso ausgeprägt waren auch Freude und Lachen. Etwa bei der üblichen Hinweisansage vor dem Konzert, die aber im Stil und Wording der „Taron“-Ansage inszeniert wurde. Oder beim Eröffnungsstück, dem fröhlich-epischen Theme der „Movie Park Studio Tour“. Oder beim Soundtrack der Wasserbahn „Chiapas“, bei dem das Publikum die markanten „Chiapas!“-Rufe natürlich lauthals selbst beisteuerte.

Spannend war das Geschehen aber auch aus einem anderen Blickwinkel. Auch, wenn wir Fans die Musik kennen und feiern, so ist sie doch in den allermeisten Fällen ein Hintergrundprodukt, eine atmosphärische Begleitung. „Coasters in Concert“ drehte das um und rückte die Kompositionen selbst ins Rampenlicht. Durch die aufwendige Orchestrierung und dadurch, dass man das Konzert bewusst unplugged gespielt hat, wurde plötzlich noch einmal deutlicher, wie viel musikalische Feinarbeit in den ursprünglichen Stücken steckt. Ein ganz bisschen habe ich zwar den Wumms der Originale vermisst, aber doch war es episch und beeindruckend.

Zwei Zugaben und eigentlich wollte man immer noch nicht gehen

„Ich weiß gar nicht, wie ich das beschreiben soll – es war einfach grandios und es fühlt sich total besonders an, das erlebt haben zu dürfen.“ So meine Worte unmittelbar nach dem Konzert. Ich könnte mich noch in vielen weiteren Details verlieren, auf die einzelnen Stücke eingehen, auf die gelungene Moderation, auf die Solo-Einlagen des Drummers sowie des Chors mit dem Stück „Lux Aurumque“, …oder auch auf die schöne Aufmachung des gedruckten Programms, das wie ein in Themenbereiche untergliederter Lageplan aufgemacht war.

Es gab viele Highlights. Sie alle sorgen dafür, dass „Coasters in Concert“ lange in Erinnerung bleiben wird. Und das im Übrigen nicht nur aufgrund ebenjener Highlights, sondern auch, weil das Konzert einen außergewöhnlichen Treffpunkt der Community geschaffen hat, bei dem einmal mehr alle das gleiche gefühlt haben. Ich möchte all jenen danken, die dieses außergewöhnliche Projekt möglich gemacht haben. Und möge es irgendwann eine Zweitausgabe geben – für alle, die es nochmal erleben möchten und alle, die es in Hannover nicht erleben konnten.

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Eike der Achterbahnreporter im Hansapark mit Kamera

Moin, ich bin Eike, der Achterbahnreporter. Seit über 3 Jahren reise ich quer durch Deutschland und Europa, um die besten Freizeitparks und ihre Achterbahnen und Attraktionen zu entdecken. Ich entdecke und berichte – du liest und entdeckst.
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