Das traditionsreiche Tivoli in Kopenhagen existiert schon seit 1843 – also seit etwas über 180 Jahren. Und gerade läuft das größte themenbauliche Projekt seiner Geschichte. Der hintere Parkbereich, der schon seit Jahren im Zeichen Asiens stand, erfährt mit der aufwendigen Umgestaltung zu „Hikari“ eine grundlegende Neuerung. Auf über 2.000 Quadratmetern umfasst das Projekt zwei neue Attraktionen, einen komplett neuen japanisch inspirierten Straßenzug, diverse neue Streetfood-Gastronomie und Geschäfte sowie eine neue Szenografie für die bestehende Achterbahn „Dæmonen“.
Dichte fernasiatisch-urbane Szenerie

Wenn ich dir das Stichwort „Gasse in Tokyo“ nenne: Woran denkst du? Vielleicht an einen verwinkelten Straßenraum mit dichten und kontrastreichen Fassaden – mal modern, mal traditionell. Vielleicht an raue Mengen an Schildern, Schriftzügen und Leuchtreklamen in einer Sprache, die den meisten von uns ebenso fremd wie faszinierend erscheinen dürfte. Vielleicht denkst du auch an die süßen wie auch herzhaften Düfte von verschiedenstem Streetfood, das aus den Fenstern gereicht wird. Oder vielleicht ist es einfach das lebendig-pulsierende Gewusel in der Abenddämmerung. Von all dem und noch mehr hat sich das Tivoli Kopenhagen jedenfalls inspirieren lassen.
Im Rahmen des Umbauprojekts zu „Hikari“, übersetzt „Licht“, entsteht inmitten des Layouts der Achterbahn „Dæmonen“ ein neuer Bereich, in dem das Tivoli die Ästhetik und das Erleben der Architektur, des Landschaftsbaus sowie der Kultur und Kulinarik Japans aufgreift und inszeniert. Jedoch, und das wird betont, nicht eins zu eins als reine Rekonstruktion, sondern als Interpretation in der ganz eigenen, künstlerisch freien Tivoli-Perspektive.
Eine wesentliche Rolle spielt dabei die Verschmelzung von Tradition und Moderne mit zusätzlich einer großen Portion Kultur. Für den traditionsreichen Part hat das Tivoli stolze 60 Tonnen in Japan gefertigte Ziegelsteine sowie zahlreiche authentische Vintage-Elemente aus Fernost nach Kopenhagen verschiffen lassen. Der moderne Part wird unter anderem durch das Design und verschiedene Straßenkunstwerke repräsentiert – darunter auch ein Werk des weltberühmten Künstlers Takashi Murakami.
„Dæmonen“ erscheint wie ein neues Erlebnis und zwei weitere Neuheiten kommen hinzu
Die Kunst des Bereichs „Hikari“ dürfte auch darin liegen, eine schon seit 2004 bestehende Achterbahn so zu integrieren, dass ein neues Erlebnis entsteht. Der Floorless-Coaster „Dæmonen“ von Bolliger & Mabillard bleibt vom Layout und von der Technik her identisch, erhält aber ein komplett neues Design und wird durch die Baumaßnahmen drumherum vollständig in „Hikari“ integriert. Der Freizeitpark spricht nur davon, dass sich die Achterbahn künftig „wie eine Hochbahn durch den neuen Bereich schlängeln“ wird. Offen bleibt dabei, ob es lediglich den rein visuellen Eindruck verändert oder ob durch die neuen Kulissen und Dächer beispielsweise Near-Miss-Momente entstehen, die es bisher nicht gab. Klar ist nur, dass „Dæmonen“ im Zuge der Bauarbeiten bis zuletzt geschlossen blieb.
Die Neuheiten hören mit diesen Veränderungen aber noch nicht auf. Auch zwei tatsächlich neue Attraktionen werden in den Themenbereich ziehen. Die erste heißt „Hotel Hikari“ und ist ein familiengerechtes Fun-House. Die zweite heißt „Tyfonens Øje“ und ist ein Zero-Gravity-Modell von SBF Visa – die Fahrgäste werden durch schnelle Rotation an die Wand gepresst, dann senkt sich der Boden ab. „Tyfonens Øje“ richtet sich demnach an Thrill-Fans und wird die einzige Attraktion ihrer Art in Skandinavien sein. Der Zugang führt die Besucher durch ein Wartehaus, das von der berühmten Katsura-Villa in Kyoto inspiriert wurde. Das historische Anwesen gilt als Meisterwerk traditioneller japanischer Architektur und ist für seine harmonische Verbindung von Gebäuden, Gärten und natürlichen Materialien bekannt. Ein weiterer Punkt also, an dem Tradition und Moderne verschmelzen.
„Hikari“ setzt auch auf Atmosphäre und Aufenthaltsqualität

Das Tivoli versteht sich seit jeher nicht ausschließlich als Freizeitpark. Besucher kommen hier ebenso für Konzerte, Ballettaufführungen, Lichtinstallationen, Gastronomie oder einfach einen entspannten Spaziergang durch die liebevoll gestalteten Parkanlagen her. Entsprechend verfolgt auch „Hikari“ einen ganzheitlichen Ansatz, der weit über die neuen Kulissen und Attraktionen hinausgeht. Es soll ein Ort entstehen, an dem Besucherinnen und Besucher bewusst Zeit verbringen.
So entstehen im neuen Themenbereich gleich fünf (!) Streetfood-Lokale, hinter denen teilweise renommierte dänische Gastronomen und Kooperationspartner stehen. Inspiriert von modernen japanischen Food-Konzepten sollen die Lokale die Atmosphäre eines lebendigen Stadtviertels ergänzen und zum Probieren und Entdecken einladen. Wer möchte, kann die Speisen auf die Hand mitnehmen oder in einem der überdachten Essbereiche verweilen.
Darüber hinaus ziehen zwei neue Geschäfte in den Bereich ein, die ebenso ihren Teil zur Aufenthaltsqualität beitragen dürften. Was wiederum das Grün betrifft, hat „Hikari“ ebenfalls einiges zu bieten. Das Straßenbild wird durch mal kleinere und mal größere Bambusbepflanzungen ergänzt. Davon ab sollen eine traditionell-kunstvoll geschnittene Kiefer und ein Tempelbaum mit allerhand farbenfrohen Azaleen einen Kontrast zur dichten urbanen Kulisse schaffen und die Verbindung zur traditionellen japanischen Gartenkunst herstellen.
Tivoli kann sich nicht erweitern – deshalb aufwendige Projekte wie „Hikari“ auf engstem Raum

Das Tivoli im Herzen Kopenhagens zählt zu den ältesten und berühmtesten Vergnügungsparks der Welt. Der Park hat sich seit seiner Eröffnung im Jahr 1843 weit über die Rolle eines klassischen Vergnügungsparks hinaus entwickelt und weiß mit genau diesem Kontrast zu anderen reinen Freizeitparks bis heute zu überzeugen. Zu den berühmtesten Besuchern zählt auch Walt Disney, der sich dort in Kopenhagen Inspiration für sein Disneyland in Anaheim holte.
Mit mehreren Millionen Besuchern pro Jahr gilt das Tivoli heute als größte Touristenattraktion Dänemarks und als kulturelles Wahrzeichen der dänischen Hauptstadt. Um das zu bleiben, muss man laufend investieren. Dabei sieht sich der Park jedoch regelmäßig seiner platztechnischen Herausforderung gestellt. Ringsherum ist das Zentrum Kopenhagens, der Hauptbahnhof, das Rathaus. Somit kann sich das Tivoli in keinerlei Himmelsrichtung auch nur einen Meter erweitern. Und genau das führt zu solch interessanten und verdichteten Neuheiten und Bereichen wie „Hikari“.
Das Tivoli investiert dafür nach eigenen Angaben einen dreistelligen Millionenbetrag in dänischen Kronen, umgerechnet also mindestens 13,3 Millionen Euro. Eröffnen soll die neue Erlebniswelt im August 2026. Das genaue Datum wird noch bekannt gegeben.

